Die Rotation in zyklische Value-Aktien
In den zurückliegenden sechs Monaten schnitten Anleger mit sogenannten Value-Aktien besser ab als mit Wachstums- und Technologie-Aktien. Zeitweilig kam es zu regelrechten Umschichtungen. Ausmaß und Dauer dieser Rotation sind jetzt eine zentrale Frage für Aktieninvestoren. Das Enttäuschungspotenzial bei einst favorisierten Erfolgsgeschichten ist groß – wie jüngst das Beispiel Netflix zeigte. Und welches Aufholpotenzial in zuvor „abgeschriebenen“ Zyklikern liegt, zeigt die Kursrallye von Automobilaktien wie Volkswagen.
Im Sommer vergangenen Jahres habe ich an dieser Stelle auf die große Schere zwischen Wachstum- („Growth“) und Substanz- („Value“) Aktien hingewiesen. Über zwölf Monate war der Vorsprung des MSCI Growth Index gegenüber dem MSCI Value auf über 30 Prozentpunkte gewachsen. Auf ein weiteres Auseinanderlaufen zu setzen, erschien zunehmend riskant. Und tatsächlich begann sich die Schere wenige Wochen später zu schließen: Im vergangenen November freuten sich die Aktienmärkte über die Ankündigung wirksamer Corona-Impfstoffe, und vor allem die Verlierer-Aktien der Shutdown-Maßnahmen erlebten eine Kursrallye.
Zu regelrechten Umschichtungen von Wachstums- in Substanz-Aktien kam es dann im Februar dieses Jahres. Auslöser dafür war der fortgesetzte Anstieg der Zinsen an den Anleihemärkten. Die Rendite von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit war binnen sechs Monaten von nur 0,5 auf 1,25 Prozent gestiegen. Bis Ende März setzte sich der Anstieg auf 1,75 Prozent fort. Hintergrund waren zunehmende Anzeichen für eine rasante Erholung der Weltkonjunktur und damit die Sorge vor einer Rückkehr der Inflation. Dieses Szenario macht vermeintliche Wachstums-Aktien zu relativen Verlierern. Im laufenden Jahr ist das Plus des MSCI Value mit 13,2 Prozent (bis Mitte April) fast doppelt so hoch wie der Zuwachs des MSCI Growth mit 7,8 Prozent. Und über zwölf Monate ist der Rückstand der Value-Aktien von über 30 auf 8 Prozentpunkte geschrumpft. Die Schere könnte sich weiter schließen. Denn die immer noch hohe Bewertung vieler Wachstums- und Technologie-Aktien stützt sich auf niedrige Zinsen und die Erwartung höheren Gewinnwachstums. Während eines Konjunkturaufschwungs steigen die Gewinne bei sogenannten „zyklischen“ Unternehmen aber stärker als bei konjunkturunabhängigen Unternehmen. Und die Entspannung an den Rentenmärkten im April muss nicht von Dauer sein. Das Thema Inflation dürfte die Börsen auch im zweiten Halbjahr beschäftigen.

Newsletter vom 28. April 2021
Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“

Positive Aussichten für Gold – trotz schwachem ersten Quartal
Trotz des zumindest in Europa anhaltenden Dauer-Lockdowns, weltweit explodierender Staatsschulden, niedriger Nominalzinsen und steigender Inflationsperspektiven fiel die Notierung der „Krisenwährung“ Gold nach Erreichen neuer Allzeithöchstkurse über 2.000 US-Dollar pro Feinunze im August 2020 auf nur noch knapp 1.700 USD Ende März 2021 zurück. Im zweiten Halbjahr 2020 hatte der Goldkurs zunächst unter der weltweit einbrechenden Nachfrage nach Goldschmuck, der wichtigsten Nachfragekomponente, im Zuge der globalen Rezession zu leiden. So wurde im Gesamtjahr 2020 34 Prozent weniger Gold vonseiten der Schmuckindustrie geordert. Seit dem Jahreswechsel haben dann die weltweit haussierenden Aktienbörsen einige Anleger zu Umschichtungen aus Edelmetallen veranlasst, nachdem die Nachfrage zu Investmentzwecken im Vorjahr mit einem Plus in Höhe von 40 Prozent noch förmlich explodiert ist. Zudem hat der relativ deutliche Zinsanstieg, allen voran in den USA, lange nicht vorhandene Anlageopportunitäten gebracht, die parallel stark gestiegenen Kryptowährungen haben Kapital angezogen und ein festerer USD sorgte wie gewöhnlich für eine sinkende Goldnachfrage aus anderen Währungsräumen. Und tatsächlich sind es gerade Gold-ETFs, die im ersten Quartal mit einem Minus in Höhe von mehr als 150 Tonnen erhebliche Mittelabflüsse erfuhren, nachdem Anleger im Vorjahr noch mit Rekordsummen den Kauf von 877 Tonnen Gold durch ETFs veranlasst hatten. Dem Bruch einiger charttechnisch wichtiger Unterstützungen folgte die Etablierung eines nachhaltigen Abwärtstrends.
Es ist jedoch davon auszugehen, dass auch die US-Notenbank Fed einem weiteren deutlichen Zinsanstieg nicht tatenlos zusehen wird, um die Refinanzierung der besonders in den USA stark steigenden Staatsschulden nicht zu gefährden. Nach Abzug der zuletzt deutlich auf 2,6 Prozent gestiegenen Inflation dürften die Realzinsen somit auch im US-Dollarraum tief negativ bleiben und den Anstieg des US-Dollar begrenzen. Zudem ist angesichts des mittlerweile stärker gefallenen Goldpreises und aufgrund der in den kommenden Monaten zu erwartenden globalen wirtschaftlichen Erholung mit stark überdurchschnittlichen Wachstumsraten auch mit einer kräftigen Steigerung der Nachfrage aus der Schmuckindustrie zu rechnen. Nach der zuletzt gelungenen Stabilisierung bei etwa 1.700 US-Dollar stehen die Chancen für eine weitere Erholung der Goldnotierungen in den kommenden Monaten gut.
Die Pleite des Hedgefonds Archegos und die spekulationsgetriebenen Kurssprünge bei einzelnen Aktien, bspw. Gamestop, am Anfang des Jahres verdeutlichten, dass die derzeitige Situation nicht ohne Risiken für Kapitalanleger ist. Sollte es in den kommenden Monaten erneut zu größeren Turbulenzen an den internationalen Börsen kommen, dürfte Gold die von Anlegern erhoffte Funktion als „sicherer Hafen“ der Geldanlage wieder unter Beweis stellen.

Newsletter vom 21. April 2021
Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

Volatilität – Feind im Depot?
Seit knapp einem Jahr kennen die Aktienmärkte im Großen und Ganzen nur eine Richtung – nach oben. Viele Faktoren, die noch vor der Corona-Pandemie zu einer massiven Verunsicherung an den Kapitalmärkten geführt hätten, wie globale Handelsstreitigkeiten, politische Unruhen oder Lockdowns in Wirtschaft und Gesellschaft, werden gegenwärtig ausgeblendet. Doch was bedeutet dies für die Anlegerinnen und Anleger?
Zunächst einmal ist die Kursentwicklung vieler börsennotierter Gesellschaften erfreulich, aber natürlich nicht ohne Risiko. Dieses Marktpreisrisiko kann auf vielfältigste Art und Weise analysiert werden. Eine Basisbetrachtung besteht in der Erhebung der Volatilität eines Depots. Während man bei Einzelpositionen in Aktien die Volatilität jeweils mühsam getrennt zusammenstellen muss, hat ein Investmentfonds den Vorteil, das die Volatilität von vielen Informationsplattformen zumindest auf Monatsbasis veröffentlicht wird. Somit gewinnt man schnell einen ersten Eindruck davon, wie das Risiko in dieser Anlage grob einzuschätzen ist. Je höher die Volatilität, desto höher auch ein potentielles Risiko.
Der VDAX bzw VDAX-NEW kann hier als „Angstbarometer“ zur Orientierung herangezogen werden. Er gibt die implizite Volatilität des DAX über 45 / 30 Tage an und gilt als Vola-Benchmark für ein auf den DAX ausgerichtetes Portfolio.
Während der VDAX-NEW aktuell bei etwa 20 steht, liegen viele deutsche Aktienfonds und andere indexorientierte Produkte im Vergleich deutlich über diesem Wert. Anders formuliert: das Risiko dieser Anlagen ist oftmals höher als das der Benchmark und somit nicht zu unterschätzen. Eine aktive Risikominderung geht dafür mit Kosten einher, welche den Ertrag deutlich beeinträchtigen können. Als Anleger muss man somit gut abwägen, wieviel Risiko man zu Gunsten der Performance tatsächlich eingehen möchte.
Bereits seit den frühen 90ern, und somit seit fast 30 Jahren, beschäftigen wir uns erfolgreich damit, gezielt in Unternehmen zu investieren, die ihren Sitz in unserer wachstumsstarken Heimatregion Süddeutschland haben. Hierbei managen wir das Marktpreisrisko aktiv und können auf eine extrem niedrige Volatilität im einstelligen Bereich verweisen. Seit einigen Jahren setzen wir unser bewährtes Anlagekonzept darüber hinaus auch im „SK-I Süddeutschland“ WKN A2N660 um. Bei diesem Publikumsfonds, den wir in Kooperation mit der Donner & Reuschel AG betreiben und der an der Hamburger Börse gelistet ist, verfolgen wir konsequent unser Credo „think global. invest local.“ Volatilität, um auf den Titel dieses Beitrags zurückzukommen, ist alles andere als unser Feind.

Newsletter vom 14. April 2021
Michael Kater – Geschäftsführer
Süddeutsche Kapital Invest GmbH

Herdenrisiken
Besonders im Verlauf eines länger anhaltenden Börsenaufschwunges wird eine spezielle Art von Risiko, das sich vor allem in Marktübertreibungsphasen zeigt („Herdenrisiko“), durch die im Rahmen des Portfoliomanagements üblicherweise verwendeten Risikokennzahlen nicht bzw. nur unzureichend erfasst. Der besondere Wert der Diversifizierung über eine Vielzahl von Aktienkategorien hinweg wird deshalb besonders in solchen Marktphasen, wie wir sie auch aktuell beobachten, massiv unterschätzt.
Länger andauernde Aufwärtsbewegungen am Aktienmarkt erzeugen unter Anlegern häufig ein stark von Euphorie geprägtes Anlageverhalten. Die entsprechende Kauflaune erstreckt sich allerdings in der Regel nicht auf den breiten Gesamtmarkt, sondern konzentriert sich häufig in ausgewählten Aktienmarktsegmenten, wie derzeit beispielsweise im Technologiesektor. Die hierbei aufgrund der entsprechenden Rückschlaggefahren entstehenden speziellen Risiken („Herdenrisiken“) werden von der üblicherweise im Portfolio-Management verwendeten Risikokennzahl Volatilität allerdings nicht bzw. nur teilweise erfasst.
Während sich das Volatilitätsrisiko recht zuverlässig auf Basis längerfristiger Kurszeitreihen schätzen lässt, existieren zur Quantifizierung des Herdenrisikos – obwohl es von den meisten Marktteilnehmern durchaus als real angesehen wird – keine allgemein anerkannten Methoden. Aufgrund eines relativ stabilen inversen Zusammenhangs zwischen einer kurzfristig gemessenen Volatilität und der Marktentwicklung, besteht trotzdem die Möglichkeit, auch diese Art von Risiko einigermaßen zuverlässig einzuschätzen.
Eine vom Autor entwickelte und zur Kurzfrist-Volatilität in einem inversen Verhältnis stehende Kennzahl „Herdenrisiko“ sowie ein entsprechender spezieller Diversifikationsmechanismus erlauben es, die Vorteile der Diversifizierung über eine Vielzahl verschiedene Aktienkategorien auch dann deutlich zu machen, wenn fast alle Anlagen scheinbar nur eine Richtung kennen, wenn sowohl historische als auch implizite Volatilitäten stark rückläufig sind und sich die Korrelationen zwischen den diversen Aktienkategorien immer weiter erhöhen.
Bei der Kennzahl „Herdenrisiko“ geht es nicht um eine Art Timing-Model, sondern lediglich darum, Anleger auch in Marktübertreibungsphasen mittels Kennzahlen davon überzeugen zu können, dass eine breitest mögliche Diversifikation auch dann sinnvoll ist, wenn einzelne Marktsegmente durch die Decke gehen und sie das Gefühl haben, etwas zu verpassen.
