Geld oder Leben?

Wie viel seines Geldes soll man eigentlich in Aktien stecken? Eine wichtige Frage – und jeder beantwortet sie anders. Da reichen die Meinungen von „kleine Restbeträge“ bis hin zu „alles, was geht“.

So gibt es seit einiger Zeit eine wachsende Bewegung namens „fire“. Diese vor allem jungen Menschen sind von den Möglichkeiten der Börse begeistert und deshalb felsenfest überzeugt, dass sie schon mit Mitte 40 in Rente gehen werden. Dafür schränken sie ihr Leben massiv ein und sparen sich buchstäblich jeden Cent vom Munde ab, um ihn in Aktien zu stecken.

Andererseits kenne ich auch Anleger, die maximal das Weihnachtsgeld an die Börse tragen, weil sie sich gern Urlaube, Restaurantbesuche oder ein schönes Hobby gönnen. Beides geht aus meiner Sicht in Ordnung. Das Wichtigste ist, dass man mit seiner Investmentstrategie gut schlafen kann. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle vor einer falschen Einschätzung der Börse warnen – und das gilt in beide Richtungen!

Wer schon die Rente mit 40 vor Augen hat, weil er auf allzeit hohe und verlässliche Aktienrenditen setzt, der könnte enttäuscht werden. Schließlich gibt es am Aktienmarkt keine Garantien, schon gar nicht mit den falschen Titeln im Depot. Die meisten, die im Jahr 2000 im Überschwang all ihr Geld am Neuen Markt investiert haben und schon innerlich gekündigt hatten, arbeiten heute immer noch. Und auch künftig kann es natürlich jederzeit eine Phase ohne steigende Kurse geben. Wer dann die finanzielle Freiheit dahinschwinden sieht, gerät leicht in Panik und macht umso eher Fehler.

Auf der anderen Seite ist es aber auch bedauerlich, wenn manche Menschen die Börse weit unter ihren finanziellen Möglichkeiten nutzen. Zum einen, weil mit den richtigen Aktien im Depot die Kurse auf lange Sicht weitersteigen dürften, zum anderen wegen der Dividenden. Je mehr Aktien im Depot liegen, desto mehr Gewinnbeteiligung kassiert man logischerweise. Legt man dieses Geld regelmäßig zusätzlich wieder an, dann entsteht über die Zeit ein regelrechter Zinseszins-Turbo im Portfolio. Es lohnt sich also doppelt und dreifach, wenn man tatsächlich verfügbares Geld auch wirklich in Aktien steckt!

Geld oder Leben? Diese Entscheidung muss beim Investieren letztlich jeder für sich selbst treffen. Als langjähriger Börsenpraktiker möchte ich Ihnen aber folgenden Tipp mit auf den Weg geben: Halten Sie die Börse nicht für berechenbar, aber wissen Sie um Ihre langfristige Kraft – und nutzen Sie diese! Denn dann haben Sie irgendwann hoffentlich viel Geld UND können gut leben …

In diesem Sinne
Ihr

Joachim Brandmaier

Newsletter vom 28. Juli 2021

Joachim Brandmaier–Börsenpraktiker 
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

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Abseits gewohnter Anleihe-Pfade

Anleihen galten über Jahrzehnte als Renditegarant ohne großes Risiko. Doch das ist Geschichte. Nullzinspolitik und Verwahrentgelte machen Geld heute teuer. Diese Entwicklung fordert Investoren förmlich dazu auf, kreative Anlagelösungen abseits der ausgetretenen Anleihe-Pfade zu finden, ohne dabei das Risiko signifikant zu erhöhen.

Festverzinsliche Wertpapiere waren jahrzehntelang Kernbestandteil im strategischen Vermögensaufbau von Institutionellen und Privaten. Das seit Jahren anhaltende Niedrigzinsumfeld hat jedoch dazu geführt, dass gerade Anleihen guter Bonität und damit geringem Risiko quasi nur noch eine Nullnummer sind oder gar eine Negativrendite erbringen. Nimmt man noch die Inflation hinzu, sieht die Wertentwicklung im Wertpapierbestand noch düsterer aus. Was aus Investorensicht negativ ist, wirkt sich für Staaten und Unternehmen guter Bonität, die sich am Kapitalmarkt über Anleihen refinanzieren, wiederum außerordentlich positiv aus: Sie können sich nahezu kostenfrei mit frischem Kapital eindecken. Wer zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland für 5 Jahre 20.000 Euro leiht, muss für die sichere Aufbewahrung seines Geldes derzeit jedes Jahr 0,6 Prozent Negativzinsen draufzahlen. Aus investierten 20.000 Euro werden nach 5 Jahren 18.800 Euro. Bei einer angenommenen Preissteigerungsrate von 2,3 Prozent pro Jahr, bleiben dann sogar nur noch 16.500 Euro übrig.

Unsere Anleihespezialisten haben angesichts dieser bedenklichen Entwicklung Strategien entwickelt, die über den traditionellen Tellerrand hinausblicken. Dabei nutzen wir Opportunitäten von Neuemissionen am Anleihemarkt und am Markt für Kreditausfallversicherungen, die beide eine auskömmliche Rendite bei geringem Risiko erzeugen. Wenn ein Unternehmen eine neue Anleihe am Neuemissionsmarkt begibt, zahlt es Investoren als Anreiz eine höhere Rendite als für bereits ausstehende Anleihen. Diese Überrendite kann systematisch abgeschöpft werden. Privatanlegern bleibt diese Möglichkeit verwehrt. Kreditausfallversicherungen sind eine weitere Möglichkeit, Rendite zu generieren. Diese sind mit einer Mietbürgschaft vergleichbar, bei der der Bürge das Ausfallrisiko des Mieters gegenüber der Bank übernimmt und dafür eine Gebühr erhält. In diesem Fall erhält der Kreditversicherer eine Prämie dafür, dass er das Ausfallrisiko eines bestimmten Unternehmens übernimmt. Da wir uns ausschließlich auf Unternehmen mit einer starken Bonität konzentrieren, ist hier das Ausfallrisiko gering.

Investoren, die ihre überschüssige Liquidität ohne Strafzins zwischenparken wollen und eine Anlagestrategie suchen, die Anleihen höchster Bonität mit Neuemissionsprämien und Kreditausfallversicherungen kombiniert, sollten sich den nordIX Treasury plus (ISIN: DE000A2DKRH6) anschauen. Dieser, mit der Donner & Reuschel AG aufgelegte Fonds, ist an der Hamburger Börse gelistet. Er wurde vor kurzem um eine Tranche erweitert, die auch Privatanlegern dieses attraktive Anlagekonzept zugänglich macht. Unabhängig von Zins- und Kapitalmarktentwicklung verfolgen wir das Ziel, einen planbaren Ertrag zu erwirtschaften und unseren Investoren jeweils halbjährlich eine Ausschüttung zukommen zu lassen. In den letzten Jahren lag diese auf das Gesamtjahr bezogen zwischen 1,0 und 1,5 Prozent. Deutlich mehr als die angesprochene Null und das bei einem niedrigem Risikoprofil.

Newsletter vom 21. Juli 2021

Claus Tumbrägel – Vorstand
nordIX AG

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Inflation durch Sondereffekte getrieben

Steigende Preise beschäftigen derzeit die Menschen und die Kapitalmärkte. Doch es besteht kein Grund zur Sorge, denn noch ist das Bild pandemiebedingt verzerrt. Sparer können sich gut mit einem ausgewogenen Depot schützen, das über viele Anlageklassen streut, und erhalten so zugleich Chancen auf attraktive Erträge.

Wie werden sich die Preise in Deutschland entwickeln? Union Investment, der Fondspartner der Hannoverschen Volksbank eG, hat dazu im Mai dieses Jahres 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten in Deutschland befragt. Dabei ist der Anteil derjenigen, die mit stark steigenden Preisen rechnen, mit 23 Prozent auf ein neues Maximum im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. Leicht steigende Preise erwarten mit 66 Prozent ebenfalls mehr der Befragten als vor einem Jahr. Mit acht Prozent erreicht der Anteil derjenigen, die mit gleichbleibenden Preisen rechnen, sogar einen historischen Tiefstwert.

Tatsächlich legte die Inflation jüngst auch zu. Im Mai zog sie in Deutschland im Monatsvergleich um 0,5 Prozent an, in der Eurozone um 0,3 Prozent. Das entspricht einer Jahresrate von 2,4 Prozent (EU-harmonisiert). Deutet dieser Anstieg nun auf eine langfristig höhere Inflation hin?

Nach Ansicht des Fondspartners zeigen die aktuell höheren Preise, dass die Nachfrage etwa nach Konsumgütern aufgrund der Wiederöffnung der Volkswirtschaften – begründet im Erfolg der Impfkampagnen – rasant zunimmt. Das Angebot könne damit kurzfristig nicht Schritt halten. Dies dürfe sich aber in den kommenden Monaten wieder beruhigen. Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ die Zinsen auf ihrer jüngsten Sitzung am 10. Juni zunächst auch unangetastet.

Union Investment rechnet mit knapp vier Prozent gegen Ende 2021 mit dem Höhepunkt der Teuerung in Deutschland. Die Ursachen dafür seien einerseits etwa die gestiegenen Energiepreise. Andererseits falle dann der Effekt der reduzierten Mehrwertsteuer aus dem zweiten Halbjahr 2020 ins Gewicht. Diese und weitere Faktoren liefen aber in der ersten Hälfte 2022 aus. Union Investment erwartet dann eine deutlich niedrigere Inflationsrate um zwei Prozent.

Attraktivere Zinsen dürften damit noch länger auf sich warten lassen. Für den Vermögenserhalt und -aufbau führt daher an Aktien kein Weg vorbei, auch wenn damit Kurs- und Ertragsrisiken verbunden sind. Außerdem gilt: Der beste Schutz vor Inflation ist eine breite Streuung des Vermögens über verschiedene Anlageklassen. Dies lässt sich gut über aktiv gemanagte Fonds realisieren.

Newsletter vom 14. Juli 2021

Thomas Scholz – Filialdirektor und Leiter WP-Beratung
Hannoversche Volksbank eG

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Goldilocks-Economy? Nicht ganz…

Aktuell befinden sich die Corona-Neufallzahlen in vielen europäischen Staaten auf niedrigen Niveaus, was eine wesentliche Voraussetzung für die breite, nahezu alle Segmente der Wirtschaft umfassende Erholung ist. Allerdings zeigt der zunehmende Anteil der Delta-Variante bei den Neuinfektionen – und die steigenden Fallzahlen in Großbritannien und Portugal – dass das Auftreten neuer Varianten auch zu erneuten Shutdowns und damit wirtschaftlichen Rückschlägen führen kann.

Zuletzt war im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung vermehrt von einer Goldilocks-Economy die Rede – also dem bestmöglichen Zustand einer Volkswirtschaft mit positiven Wachstumsraten, dynamischen Investitionen und Konsum, moderater Inflation, niedrigen Zinsen und hoher Beschäftigung. Diese Kombination gab es zuletzt Ende 2017 in Deutschland, Teilen der Eurozone und in den USA.

Tatsächlich sind die globalen Wachstumsperspektiven für 2021 und 2022 angesichts des Aufschwungs nach der Coronakrise sehr positiv. In Europa unterstützt – neben der schon lange boomenden Industrie – zunehmend auch der Konsum die Konjunktur, nicht zuletzt aufgrund nur moderat gestiegener und zuletzt sinkender Arbeitslosenquoten.

Allerdings sind derzeit auch deutliche Unwuchten erkennbar, die vor allem aus den immer stärker zunehmenden Engpässen bei Zulieferungen, Rohstoffen und Transportkapazitäten resultieren. Viele Unternehmen müssen ihre Produktion deshalb drosseln, obwohl die Nachfrage extrem hoch ist. Erkennbar sind diese ökonomischen Verzerrungen durch den Vergleich des derzeit rekordhohen Auftragsbestands im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland und der immer noch leicht unter dem Vorkrisenniveau rangierenden Industrieproduktion (Produktions-/Nachfragelücke).

Auch die resultierenden erheblichen Produktionskostenexplosionen sprechen gegen das Bild einer Goldilocks-Economy, denn sie beschleunigen den zuletzt deutlich gestiegenen Trend zu höheren Inflationsraten. Vor allem in den USA wird die ohnehin höhere Inflationsdynamik durch ein Auseinanderklaffen von moderatem Angebot und stark gestiegener Nachfrage am Arbeitsmarkt untermauert. Viele Menschen bevorzugen derzeit die nach wie vor hohe staatliche Arbeitslosenunterstützung oder können die nachgefragten Qualifikationen nicht vorweisen. Daher sind Unternehmen oftmals nur unter Inkaufnahme von höheren Lohnzahlungen in der Lage, freie Stellen zu besetzen.

Für die meisten Aktienindizes dürften die Zeiten hoher zweistelliger Kurszuwächse innerhalb kürzester Zeit damit vorerst einmal beendet sein. Vielmehr ist im zweiten Halbjahr 2021 mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen, wenngleich die grundsätzlichen Perspektiven für Aktien angesichts des anstehenden globalen Aufschwungs generell positiv bleiben.

Newsletter vom 07. Juli 2021

Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

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Der Ausblick auf das 2. Halbjahr 2021: Das war es noch lange nicht!

Noch arbeiten wir uns an der Neubewertung der US-Notenbank FED zur Inflations- und Zinspolitik ab. Noch wissen wir nicht, welche Auswirkungen die indische Delta-Variante des Corona-Virus bei uns haben kann. Noch wissen wir nicht wer Kanzler*in kann. Auch wissen wir nicht, ob wir mehr Substanz- oder Wachstumsaktien haben wollen.

Aber wir wissen, dass wir froh sind, dass wir endlich wieder über Inflation sprechen und schönes Konjunkturwachstum haben. Wie lange haben wir Deflation und sinkende Unternehmensgewinne in Europa gefürchtet? Ja, und endlich steigen die Zinsen auch wieder ein bisschen und die USA versuchen vorsichtig einen Zinswendeprozess einzuleiten. Hurra, haben wir uns das nicht schon lange herbeigesehnt? Zudem können wir annehmen, dass zugelassene Impfstoffe gegen schwere Verläufe der indischen Delta-Variante helfen. Wir hoffen deshalb, dass wir die Läden zum Herbst/Winter nicht wieder schließen müssen. Und auch die Bundestagswahl macht mir Mut. Eine Koalition der bürgerlichen Mitte scheint das angesagte und angebrachte Basisszenario zu sein. Die Farbenkonstellation wird sich jedoch ändern und hoffentlich frischen Schwung in das eingerostete, politische Establishment bringen. Mut haben, liebe Politiker. Den Firmen und Bürgern weniger Bürokratie und Steuern zumuten. Dann klappt das auch mit Wachstum und Umwelt zugleich, wenngleich die Schulden zunächst steigen müssen. Wieso soll Deutschland immerwährend sparen, während andere Euroländer reichlich ausgeben? Und das auch noch vor dem Hintergrund von Bundesanleihen, die dem Finanzminister derzeit einen positiven Zinssaldo bieten. Die „Null“ muss beim Fußball stehen, derzeit aber nicht bei der Neuverschuldung, wenn es um bitter notwendige Zukunftsinvestitionen geht. Bitte nicht zu früh anfangen zu sparen, denn spätestens in den nächsten fünf Jahren entscheiden sich die Weltmarktanteile bei umweltfreundlichen und intelligenten Technologien und Rohstoffen. Wir müssen jetzt dabei sein und investieren!

Wir empfehlen mit Blick auf das 2. Halbjahr ganz eindeutig „long“ in Aktien zu sein, obschon wir zunächst die Berichtssaison zum 1. Halbjahr 2021, die Mitte Juli beginnt, als herausfordernd ansehen. Hohe Rohstoffpreise werden Hier und Da den Gewinnen zusetzen. Rückschläge im Sommer sollten u. E. aber eindeutig zum Nachfassen genutzt werden. Es bleibt unsere Devise: „buy the dip“ („Kaufe zu bei Rücksetzern“), denn eine Inflation in den USA im Rahmen von +2 bis sogar +6 Prozent spricht unter Schwankungen im historischen Kontext für die Aktienanlage. Auch Rohstoffe wären dann als Inflationsabsicherung gefragt, während Gold und Anleihen mit zunehmender Zinserhöhungsfantasie leiden würden.

Gewisses Nachholpotenzial bei Aktien sollte als Region Asien haben. Asien hat im ersten Halbjahr aufgrund chinesischer Regulierungswut und falscher Impfstrategie u. a. in Japan enttäuscht. Es ist daher wichtig in Asien in die ganze Breite der Länder (Vietnam, Taiwan, Südkorea, Indien) zu investieren und nicht nur auf China zu setzen. In den USA dürften weiterhin die Investmentbanken und Tech-Werte als Branchenführer dominieren. Allerdings präferieren wir die 2. Reihe der US-Techs und Chipwerte, denn die US-Politik macht den „Big Five“ (Amazon, Facebook, Apple, Alphabet, Microsoft) gehörig Feuer, denn das neue Wettbewerb-Regulierungsprogramm heißt „Grenade“ (Granate) und will die Vormachtstellung derer brechen.

In Europa lösen Konsum und Dienstleistungen den Industrie- und Bausektor als Lokomotive ab. Unsere Favoriten sind daher Sportartikel, Freizeit- und Logistikwerte aus Deutschland, Privatbanken aus Skandinavien und Südeuropa, die von wiederaufkommender Dividendenfantasie profitieren, und der in China vielgeliebte Luxuskonsum aus Frankreich. Als Kirsche gibt es dann noch Basisleckereien aus der Schweiz (Schoki, Käse und Eis) und natürlich Pharmazie (Medizin- und Biotechnologie).

Im Grunde allokieren wir also nicht in Wachstum- ODER Substanzwerte, sondern in Wachstum UND Substanzwerte. Kurzfristigen Trendwetten hinterher zu rennen macht u. E. keinen Sinn, kostet nur Nerven und Geld, denn: „Hin und Her macht Taschen leer“. Für den DAX sehen wir tatsächlich Potenzial bis Jahresende von 16.600 Punkten bei einem zwischenzeitlichen Risiko von 14.600 Punkten. Damit sind wir optimistischer als der Konsens unterwegs, aber wir haben gute Gründe. Als Sahnehäubchen bekommen wir ab September auch noch 10 neue, sehr interessante DAX-Werte hinzu. Kurzum: Das war es noch lange nicht.

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Kursentwicklung
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Newsletter vom 30. Juni 2021

Carsten Brömstrup – Chefanalyst
Oldenburgische Landesbank AG

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Inflation – was dürfen wir denn da erwarten?

Seit Wochen spukt das Gespenst der Inflation durch die Gazetten. Preissteigerungen werden schon mit den Entwicklungen  der damaligen Weimarer Republik verglichen. Eine Welle der Sorge und Angst macht sich breit. Die Kapitalmärkte haben bislang zurückhaltend und ruhig reagiert, obwohl das Geschrei lauter wird. Wir können festhalten, dass die Teuerungsrate in den USA mit ca. 5 Prozent schon hoch ist. In Europa sieht es anders aus – hier liegt die Preissteigerungsrate nicht einmal bei 2 Prozent. Deutschland ragt mit aktuell 2,5 Prozent heraus.

Ich schaue einfach mal hinter die Zahlen und stelle fest, wenn die selbstgemachten Effekte wie Mehrwertsteuererhöhung und Co2 Abgabe aus der deutschen Inflationsrate herausgerechnet werden, dann bleiben gerademal noch ca. 1 Prozent übrig. In anderen europäischen Ländern sieht die Lage sehr heterogen aus – einige kämpfen nicht gegen die Inflation, sondern versuchen Deflation zu verhindern. Gerade in den südeuropäischen Ländern kann man das sehr gut beobachten.

Machen dann die 5 Prozent Steigerungsraten in den USA die Sorge aus? Unverändert erhalten die Bürger dort weiter ihre wöchentlichen Einkaufsschecks und sorgen für einen Nachfrageüberhang an Konsumartikeln. Nahrungsmittel und Autos sind dort einfach teurer geworden. Ein Mittelklasseauto kostet in diesem Jahr 30 Prozent mehr – ja auch ausgewählte Nahrungsmittel kosten bis zu 15 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Was muss getan werden und was erwarte ich, was getan wird?
In Deutschland könnte die Regierung die Co2 Abgabe überdenken – eine Diskussion hierüber wird es aber nicht geben. Der Staat braucht die zusätzlichen Steuereinnahmen, schon allein deshalb, weil die Kosten der Covid19 Pandemie bezahlt werden müssen. An der Schraube der zusätzlichen Steuereinnahmen wird die Regierung also nicht drehen. Ich sehe die Nachfrage in Deutschland weiter steigen. Gastronomie, Reisen und Neuwagenkäufe könnten die Inflation sogar noch weiter steigen lassen.

In den USA bereitet die Fed die Bürger auf ein vorsichtiges Ende der ultralockeren Geldpolitik vor. Die Einkaufsschecks dürften auch wieder verschwinden.
Die EZB wird die Zinsen nicht erhöhen – vielleicht kürzt die Zentralbank ihre Anleihen Ankaufprogramme – mehr erwarte ich nicht. Zinserhöhungen wären fatal für die Schuldnerländer und die privaten Haushalte, denn die können sich diese zusätzliche Zinslast gar nicht leisten. Die Sparer müssen weiterhin den negativen Realzins schlucken.
Die Frage wird sein, ob dieser Preisschub nachthaltig ist – das denke ich auch nicht, weil doch vieles hausgemacht ist und die Lohnerhöhungen werden keine Lohn/Preis Spirale auslösen.

An den Kapitalmärkten spielen bald andere Themen eine Rolle. Die Quartalsberichte beginnen in Kürze – die Konjunkturerholung und auch Covid19 mit den Mutanten rücken wieder in den Fokus. Die Lieferketten funktionieren noch nicht so gut, wie vor der Covid19-Zeit und dieses könnte eine schnelle und erhoffte Erholung stören. Die Aktienmärkte werden stabil bleiben – Schwankungen sind normal und bleiben uns deshalb auch erhalten.

Newsletter vom 23. Juni 2021

Frank-Rüdiger Griep – Vorstand
Vermögensanlage AltBayern AG

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Das Inflationsgespenst ist zurück

An den Kapitalmärkten (und nicht nur dort) geht derzeit ein fast schon in Vergessenheit geratenes Sorgenkind um: das Inflationsgespenst. Angefacht werden die Inflationsbefürchtungen durch die jüngsten Teuerungssignale aus den USA, denn dort gab es einen überraschend starken Anstieg der Verbraucherpreise: Sie kletterten im Mai um 5 Prozent – nach 4,2 Prozent im Monat zuvor.

Nun herrscht Verunsicherung, denn Investoren befürchten angesichts stark steigender Inflationsraten einen Schwenk der Zentralbanken hin zu einer restriktiveren Geldpolitik (um die Inflationsraten im Zaum zu halten).

Teuerungsdruck dürfte kurzfristig anhalten … mittelfristig aber wieder nachlassen
Da im vergangenen Jahr der Lockdown das Preisgefüge mächtig durcheinandergewirbelt hat und viele Produkte günstiger wurden, fällt jetzt im Jahresvergleich die Inflationsrate entsprechend hoch aus. Aufgrund der zunehmenden Wiederöffnung der Wirtschaft dürfte sich der aufgestaute Konsum in den nächsten Wochen und Monaten entladen. So haben die privaten deutschen Haushalte im Krisenjahr 2020 schätzungsweise rund 110 Mrd. € mehr gespart als 2019. Schließlich waren Restaurants geschlossen, Konzerte und Festivals wurden abgesagt, Reisen untersagt. Zum Teil werden die Bürger diesen Konsumverzicht demnächst nachholen. Das könnte auch zu stärkeren Preissteigerungen führen, wenn die sprunghaft höhere Nachfrage auf ein nur begrenztes Angebot trifft, das sich nicht in der gleichen Geschwindigkeit steigern lässt.

Nach den in vielen Sektoren coronabedingten Preisdämpfern im letzten Jahr gibt es nun aufgrund von Impferfolgen und Lockerungen weitere preistreibende Effekte. Zu nennen sind hier insbesondere höhere Rohstoffpreise (speziell Öl), steigende Frachtkosten, Engpässe in einigen Branchen – insbesondere bei Halbleitern -, leere Lager, aber auch Preissteigerungen im Dienstleistungssektor. Alle diese Faktoren könnten die Teuerung kurzfristig weiter antreiben. Diese Phase – und das ist der entscheidende Punkt – geht unseres Erachtens aber in ein paar Monaten zu Ende, da sich das Angebot dann an die Wiedereröffnung angepasst hat und die Lagerbestände wiederaufgebaut sind.

Ob die Inflation tatsächlich dauerhaft anzieht, hängt nach unserer Einschätzung vor allem von einem der wichtigsten Kostentreiber, dem Lohndruck, ab. Dieser birgt dann tatsächlich die Gefahr, dass das Preisniveau in Gänze steigt, er fällt wegen der immer noch relativ hohen Arbeitslosigkeit allerdings nur moderat aus (und dürfte das auch weiterhin). Viele im Augenblick inflationssteigernde Effekte – wie etwa auch die Nachholeffekte im Tourismus – dürften folglich nur einmaliger Natur sein und eben nicht dauerhaft.

Und was machen die Notenbanken?
Auch die Währungshüter sind der Ansicht, dass die Preise nur zeitweilig stärker aufflammen werden – in Deutschland in der Spitze kurzzeitig bis vielleicht sogar 4 Prozent. Daher bewahren die Notenbanker derzeit in Sachen Inflation Ruhe. Im Grunde sind sie vermutlich sogar eher froh darüber, dass sich die aktuelle Preissteigerungsrate endlich mal wieder in Richtung des lange nicht gesehenen Zielwertes von rund 2 Prozent bewegt, selbst wenn sie auch kurzfristig darüber hinausschießt. Da wird Zentralbank-Chefin Lagarde gern abwarten und nicht gleich über Zinssteigerungen die begonnene Konjunkturerholung wieder abwürgen wollen. Vor diesem Hintergrund erwarten wir keine vorzeitige geldpolitische Straffung durch die Europäische Zentralbank auch im Falle von in den nächsten Monaten erst einmal möglicherweise weiter steigenden Inflationsraten.

Somit bleibt als Fazit festzuhalten: Ja, das Inflationsgespenst ist zurück. Zum einen brauchen wir es derzeit aber um den Wirtschaftsprozess auf die Nachkrisenzeit zu „eichen“. Zum anderen dürfte dieses Gespenst unseres Erachtens nicht allzu lange bleiben.

Newsletter vom 16. Juni 2021

Prof. Dr. Stefan May – Leiter Anlagemanagement
und Andreas Naujeck – Senior Analyst Anlagemanagement

Quirin Privatbank AG

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Aktien oder Anleihen? Am besten beides nachhaltig vereint!

Diversifikation ist ein Klassiker beim Investieren. „Nicht alle Eier in einen Korb legen“ gehörte Jahrzehnte lang zu den bekanntesten und wichtigsten Börsenweisheiten. Die Betitelung ist zwar nicht mehr up to date, aber die Gültigkeit hat nicht an Bedeutung verloren. Das Portfolio gut mischen innerhalb einer Anlageklasse beziehungsweise über verschiedene Anlageklassen hinweg ist unverändert sinnvoll. Diversifikation schützt vor zu hohen Risiken heute wie gestern und entsprechend gehören Mischfonds zu den Anlagelösungen, die für Investoren ein optimales Basisinvestment darstellen. Und idealerweise sollte der Faktor Nachhaltigkeit integriert sein, um als Investor up to date zu sein.

Der Swisscanto (LU) Portfolio Fund Sustainable Balanced (ISIN LU0208341965) vereint die beiden Hauptanlageklassen Aktien und Anleihen nachhaltig. Ergänzend darf auch in Geldmarktpapiere investiert werden. Dabei liegt die Aktienquote zwischen 35 und maximal 65 Prozent des Gesamtportfolios. Dem Anlageprozess liegt die Annahme zugrunde, dass jedes ungelöste gesellschaftliche oder globale Problem nichts anderes als eine große, unentdeckte Marktchance ist. Darum konzentrieren wir uns auf Unternehmen, die aufgrund ihrer Lösungsbeiträge zu Nachhaltigkeitsproblemen profitabel wachsen. Dabei haben wir einen Ansatz entwickelt, der Impact mit Quality (IQ) verbindet. Indem wir uns auf Unternehmen fokussieren, die einen hohen ‚IQ‘ aufweisen, zeigen wir, dass sich finanzielle und nachhaltige Rendite ergänzen.

Thematisch passen insbesondere Green Bonds sehr gut zur Anlagephilosophie des Fonds. Rund 17 Prozent der Anleiheninvestitionen entfallen auf Green Bonds. Wichtig ist dabei nicht nur das jeweils zugrundeliegende Projekt. Auch der Emittent muss generell zu unserem Anlagekonzept passen. Wir sind sehr positiv gestimmt, dass das Wachstum des Green Bond-Universums andauert und uns entsprechende Anlagechancen ermöglicht. Generell sehen wir die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen als förderlich für nachhaltige Fondslösungen an.

Die Investitionen sollen auch positiv zum Klimaschutz beitragen. Ein im Vergleich zur Benchmark tieferer Carbon Footprint als bekanntes Merkmal zeigt aber lediglich, dass die Unternehmen in einem Fonds bei steigenden CO2 Preisen weniger zusätzliche Kosten haben als jene in der Benchmark, macht aber keine Aussage, ob der Fonds mit dem Pariser Klimaziel vereinbar ist. Der Swisscanto (LU) Portfolio Fund Sustainable Balanced trägt mit seinen Investitionen dazu bei, dass die Pariser Klimaziele erreicht werden können, da keine Investitionen getätigt werden in Industrien, die nicht kompatibel mit dem Klimaschutz (2-Grad-Ziel) sind. Daher sind unter anderem Förderung fossiler Energieträger, Stromproduktion aus fossilen Energieträgern, Fluglinien oder traditionelle Automobilhersteller ausgeschlossen.

Newsletter vom 9. Juni 2021

Jan Sobotta – Leiter Sales Ausland
Swisscanto Invest

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Insights zu Nachhaltigkeits-Berichterstattungen

Für die quantitativen und qualitativen Analysen von Unternehmen in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit nehmen die ESG Metriken sowohl vor als auch nach dem Anlageentscheid eine zentrale Rolle im Anlageprozess von Ethius ein.
Auf der Grundlage, dieser meist von den Unternehmen selbst veröffentlichen Daten, werden Einschätzungen vorgenommen, Missstände und Risiken identifiziert als auch Chancen für InvestorInnen erkannt.

Entwicklungen von ESG-Berichterstattungen

Die Zahl an Unternehmen, die in den letzten 20 Jahren die Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsdaten (ESG) melden, sind weltweit exponentiell gewachsen. Während im Jahr 2001 noch weniger als 20% der S&P 500-Unternehmen ESG-Reports ausgestellt haben, beläuft sich der Anteil im Jahr 2017 vergleichsweise auf nahezu 85%.[1]

Ab 2014 werden Unternehmen in der EU ab einer bestimmten Größe laut der EU- Richtlinie zur nicht-finanziellen Berichterstattung gesetzlich dazu verpflichtet, nicht nur über finanzielle Erfolge zu berichten, sondern auch über Nachhaltigkeit.[2]

Konkret handelt es sich hierbei um eine jährliche Berichterstattungspflicht über nichtfinanzielle Belange in den Bereichen Umwelt, Sozialbelange, Arbeitnehmerbelange, Menschenrechte und Korruption.
Diese Berichterstattung wird heutzutage oftmals in Form von sog. ESG- (Environmental, Social, Governance) Berichten dokumentiert. Der ESG Reporting Score zeigt, welche Qualität die Berichterstattung einnimmt. Der Datenanbieter Bloomberg stuft beispielsweise die ESG Offenlegung der Unternehmen in einem Spektrum von 0 bis 100 basierend auf 219 Rohdatenpunkte ein.[3]

Je höher der Score, umso präziser und umfassender fallen die Nachhaltigkeits-Berichterstattungen der Unternehmen aus.  Es wird demnach die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung insofern untersucht, dass die Qualität der ESG- Daten von der Quantität der Daten differenziert wird. Berichte werden als hochwertiger eingeschätzt und mit einem höheren Score belohnt, je konkreter sich das Unternehmen zur Nachhaltigkeit in ihrer Umsetzung äußert. Beispiele dafür sind: Die Nennung klarer Zielsetzungen, die Beschreibung von Maßnahmen und Strategien, wie man diese erreichen möchte, die Nennung von Key-Performance-Indikatoren (KPIs), die regelmäßigen Aktualisierungen der Daten etc.

Wo kommen ESG-Daten bei Ethius zum Einsatz?

Die Vorselektion im Anlageprozess

Im ersten Schritt des Ethius-Anlageprozesses prüft ISS ESG im Rahmen seines Corporate Ratings die Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards der Unternehmen, die Bestandteil des ISS ESG Universums und gleichzeitig im Solactive GBS Developed Markets All Cap Index enthalten sind. Nur Unternehmen, die den strengen Anforderungen genügen, werden mit dem Prime Status ausgezeichnet.

Unternehmensauswahl

Anschließend prüft das Expertenkomitee erneut die Nachhaltigkeitsperformance der Unternehmen auf Basis individuell definierter Richtlinien. Dabei betrachten sie unter anderem die Wertschöpfungsketten der Unternehmen und beurteilen, inwieweit sie nachhaltig sind und welche Faktoren verbesserungswürdig sind. Im Ethius Factbook werden für jedes Beteiligungsunternehmen explizit Chancen und Risiken in Bezug auf die Nachhaltigkeitsperformance dokumentiert als auch die Begründung für die Aufnahmen ins Anlageuniversum transparent offengelegt.
Auch wenn die Nachhaltigkeit der zentrale Faktor in der Auswahl der Unternehmen darstellt, so ist deren Umsetzung nicht der einzige Grund um auf die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens rückschließen zu können.

Globale Herausforderungen

Risiken bestehen heutzutage in vielen Bereichen und sind komplex wie nie zuvor: Globale Erderwärmung, instabile Finanzmärkte, Einkommensunterschiede, Pandemien, Biodiversitätsverluste, Failed States, asymmetrische Kriege, Demokratieversargen etc. Die Liste ließe sich um unzählige weitere Punkte ergänzen. Die Grafik zeigt die größten Risiken bzw. globale Herausforderungen, die das World Economic Forum 2020 definiert hat.
Grafik World Economic Forum 2020 - Top Global Risks

In einer hoch vernetzten Welt mit multinational agierenden Konzernen, kann ein Ereignis wie die Corona Pandemie einmal mehr aufzeigen, in welcher Kette von Zusammenhängen diese Risiken plötzlich zur Realität werden und sich rasant auf Unternehmen auswirken können. Unter diesem gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Schockzustand wird ganz aktuell über die Legitimität diverser Firmenrettungen mit Steuergeldern diskutiert. In diesem Zusammenhang wird die künftige Daseinsberechtigung ganzer Industrien in Frage gestellt, sodass automatisch einzelne Unternehmen auf den Prüfstand der Zukunftsfähigkeit gestellt werden.

Genau diese Methode wird vorausschauend in der Unternehmensanalyse im Rahmen des Anlageprozesses von Ethius angewandt. Im Mittelpunkt der Analyse stehen die globalen Herausforderungen und wie sich das Management der Unternehmen in diesem Zusammenhang bereits heute positioniert. 
Reagiert das Management des Unternehmens aktiv und vorrausschauend auf den möglicherweise kommenden Strukturwandel, auch wenn damit verbunden ein niedriger kurzfristiger Gewinn in Kauf zu nehmen ist? Welche Positionierung besteht im Zusammenhang zwischen Verpflichtung zum Unternehmen und der Verpflichtung zum Allgemeinwohl? Es zählt die zu erkennende Flexibilität und Weitsicht des Managements in der Praxis und der Fortschritt zur stetigen Modernisierung des eigenen Geschäftsmodells. Mit der Zukunft und den damit verbundenen Veränderungen im Blick werden entstehende Risiken, die ein Wandel für Unternehmen des Ethius Fondsbestandes erzeugen, zu aktiv genutzten Chancen.

ESG Daten & alternative Datenquellen für das fortlaufende Engagement

Trotz der Qualifizierung der Unternehmen für die Aufnahme in das Anlageuniversum lassen sich bei jedem Unternehmen Schwachstellen in Bezug auf ihre Nachhaltigkeitsleistung erkennen. Häufig kann man diese bereits in den ESG-Reports der Unternehmen ablesen. In anderen Fällen finden wir diese durch den Einsatz von Datenbanken, die öffentlich gewordene Kontroversen sammeln. Auch der direkte Austausch mit Nichtregierungsorganisationen (NRO), die Informationen zu einem konkreten Fall von Missständen vorliegen haben, stellt sich als wertvoll in unserer Analyse heraus.
Eine Vielzahl von Datenwerkzeugen kommen demnach zum Einsatz, um die bestehenden Fondsunternehmen fortan zu analysieren, zu bewerten und zu überwachen. Um die Positionierung eines Unternehmens zur Nachhaltigkeit präziser zu verstehen, ermöglicht Engagement das Nachhaltigkeitsprofil eines Unternehmens zu testen, herauszufordern und zu beeinflussen. 


[1] (Serafeim & Grewal, 2019)
[2] (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex:32014L0095)
[3] (Ioannou & Serafeim, 2019)

Newsletter vom 2. Juni 2021

Luisa Lange
Sustainability Management
Ethius Invest

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Frankreich lockert Corona-Beschränkungen – wirtschaftlicher Aufschwung voraus

In Frankreich hat die wirtschaftliche Dynamik nach einem im europäischen Vergleich relativ heftigen Einbruch im Jahr 2020 um 8,3 Prozent zuletzt deutlich zugelegt. Anders als für die gesamte Eurozone und Deutschland konnte im ersten Quartal ein positives Wirtschaftswachstum in Höhe von 0,4 Prozent (im Vergleich zum Vorquartal) vermeldet werden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für das gesamte Jahr 2021 ein Wachstum in Höhe von 5,8 Prozent und für das kommende Jahr 4,2 Prozent und damit ebenfalls mehr als für die gesamte Eurozone (4,4 bzw. 3,8 Prozent).

Dabei profitiert auch die französische Industrie bereits seit Monaten von einer starken Exportnachfrage aus China. Perspektivisch wird zudem die Nachfrage der wichtigsten Exportabnehmer Frankreichs, Deutschland (14 Prozent der französischen Exporte in 2019), der USA (8,5 Prozent) und Italien (7,6 Prozent) aufgrund der in den jeweiligen Volkswirtschaften absehbar ebenfalls sehr dynamischen Erholung zunehmen.

Die Ende April von Staatspräsident Macron angekündigten sukzessiven Öffnungsschritte (u.a. erfolgte per 19. Mai eine weitgehende Aufhebung von Einschränkungen für den Einzelhandel und die Gastronomie im Außenbereich) sehen bis Ende Juni auch die Beendigung von Ausgangsbeschränkungen vor. Damit stehen die für etwa 15 Prozent der gesamten französischen Wertschöpfung stehenden, besonders von den Corona-Restriktionen betroffenen Dienstleistungssegmente des sozialen Konsums, u.a. Beherbergung, Gaststätten und Einzelhandel, vor einer deutlichen Erholung.

Das größte Risiko für die Wirtschaft bleibt kurzfristig ein erneuter Rückschlag bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, etwa durch das Auftreten von durch Virus-Mutationen entstehenden Corona-Varianten, gegen die vorhandene Impfstoffe weniger wirksam sind.

Mittelfristig werden zudem politische Entwicklungen in Frankreich wieder mehr Beachtung finden. Zunächst stehen im Juni 2021 Regionalwahlen an, die als Stimmungstest für den Präsidenten und seine Partei gelten. Im Frühjahr 2022 finden dann Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Aus heutiger Sicht ist erneut Marine Le Pen die wichtigste Herausforderin Macrons mit guten Chancen auf den Sieg. Sollte sich ein Machtwechsel abzeichnen, wäre an den Kapitalmärten zumindest mit zwischenzeitlichen Verunsicherungen zu rechnen.

Bis dahin aber bleiben die Perspektiven für französische Aktien analog der Situation in der gesamten Eurozone positiv. Wirtschaftlicher Aufschwung und anhaltend niedrige Zinsen unterstützen generell reale Anlageklassen. Besonders die Schwergewichte des französischen Standardwerteindex CAC 40 aus den Branchen Konsum dürften weiter vom globalen wirtschaftlichen Aufschwung profitieren.

Newsletter vom 26. Mai 2021

Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

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